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10 Tipps für die kirchliche Trauung

Auch wenn es immer mehr freie Trauungen gibt, entscheiden sich ja doch viele von euch Brautpaaren noch zu einer kirchlichen Hochzeit. Der Mann und ich haben uns ebenfalls in der Kirche das Ja-Wort gegeben, weil es nach reiflicher Überlegung für uns genau so passte. Und im Nachhinein kann ich nur sagen: Das Ja war für mich DER schönste Moment der ganzen Hochzeit (ausgenommen als ich die Hochzeitstorte das erste Mal sah und mich der Mann mit einem Dudelsackspieler überraschte). Vorneweg aber gleich ein Tipp von mir: Falls der einzige Grund für eine kirchliche Trauung bei euch der sein sollte, dass ihr es feierlich haben wollt, würde ich euch eher zu einer freien Trauung raten. Denn letztlich gebt ihr euch bei einer kirchlichen Trauung ja ‘vor Gott’ das Ja-Wort und solltet euch damit befassen, was das im Speziellen bedeutet. Generell möchte ich euch ans Herz legen. Bleibt die, die ihr seid! Wenn eure Verwandten unbedingt eine kirchliche Zeremonie hätten, ihr aber nicht, dann lasst es auch bleiben. Weil wir damals Wochenden lang damit verbracht hatten, uns auf die kirchliche Trauung vorzubereiten und viel Schweiß (der Mann und ich) und gelegentlich ein Tränchen (ich, peinlich) floss, gibt es hier nun kurz und knackig meine Tipps für euch zusammengefasst!

kirchliche Trauung Schild

 Foto: Franzi trifft die Liebe

1. Wahl des Trauortes

Ihr müsst nicht in eurer Heimatgemeinde heriaten. Ihr könnt euch im prinzip einfach eine Kirche aussuchen, die euch persönlich am besten gefällt. Aber dafür müsst ihr euch bei eurem Heimatpfarrer eine Genehmigung einholen, d.h. ihr ruft am für euch zuständigen Pfarramt an und teilt eurem Pfarrer mit, wo ihr getraut werden wollt. Der Pfarrer gibt euch eine Genehmigung mit, die ihr bei eurer Wunschkirche einreichen müsst. Mein Tipp: Wenn ihr euch die Traulocation aussucht, denkt auch immer an eure Gästezahl. Wenn ihr etwa 80 Gäste habt, die Kirche aber locker 400 Menschen beherbergen könnte, wird eure Festgesellschaft etwas verloren wirken. Ebenso ist es nicht schön zusammengequetscht und in den Achseln des Sitznachbarn hängend im Hintereingang zu stehen. So geschehen auf einer Trauung, bei der die Sitzplätze nicht annähernd gereicht hatten und die Kapelle so klein war, dass sich noch in der Ausgangstür die Gäste zusammen drängten, auf Zehenspitzen stehend, hoffend einen Blick aufs Brautpaar zu erhaschen. Damit ist dann leider eine feierliche Stimmung gleich vorbei. Falls die Sitzbänke nicht reichen, der hintere Teil der Kirche aber Platz bietet, sind Klappstühle eine gute Lösung! Ach, und  nicht einmal eine Kirche ist nötig, um katholisch, evangelisch oder ökumenisch zu heiraten. Stimmt der Pfarrer zu, kann er die Zeremonie auch auf einem Berggipfel oder auf dem Meeresgrund abhalten.

2. Euer Pfarrer und das Traugespräch

Ich kann nur empfehlen (wenn ihr nicht in eurer Heimatgemeinde heiratet) euch so früh wie möglich mit ‘eurem’ Pfarrer vertraut zu machen. Wir haben dort geheiratet, wo wir den Pfarrer am sympathischsten fanden und am besten zu uns passend. Ihr werdet mit eurem Pfarrer noch ein Traugespräch haben, bei dem ihr über den Ablauf des Gottesdienstes sprecht. Ihr könnt aber auch ein Kennenlerngespräch vereinbaren; einfach im Pfarramt anrufen und euch erkundigen. Wir konnten so unseren Pfarrer “beschnuppern” und haben gemerkt, dass er vollends zu uns passt und auch unsere Wünsche umsetzen würde.

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 Foto: Ann-Kathrin Koch

3. Wer führt die Braut zum Altar?

Tatsächlich: Keiner! Außer der Bräutigam. Ich habe darüber schon ausführlicher in dem Beitrag “Warum soll der Vater die Braut zum Altar führen geschrieben” – diese Variante hat es in Deutschland eigentlich nie gegeben, denn traditionell gehen in der Kirche Braut und Bräutigam zu Zweit zum Altar und beginnen den Weg in die Ehe gemeinsam und auch als gleichberechtigte Partner. Die Tradition “Braut am Arm des Vaters” ist aus Hollywoodfilmen bekannt, let­zten Endes gibt es diese Einzugsvari­ante aber eigentlich nur in südeu­ropäis­chen und angloamerikanis­chen Län­dern (siehe hier). Generell gilt: Ihr könntet auch mit Mama, Oma, Tante oder einem anderen Vertrauten zum Altar schreiten; mit dem Mann hat es finde ich eine noch viel schönere symbolische Kraft, nämlich den Weg gemeinsam anzutreten.

4. Ihr seid gefragt bei der Gestaltung

Ihr wollt eine individuelle, schöne Trauung? Dann kann ich euch nur einen Tipp geben: Bringt euch so viel wie möglich ein! Unser Pfarrer war sehr aufgeschlossen, als wir ihm unsere Ideen erzählt haben. Und je mehr ihr euch einbringt, desto schöner wird es auch für euch werden. Zum Beispiel könnt ihr euch einen Leitgedanken für die Trauung überlegen. Ein Gänsehautmoment für mich war die Trauung einer guten Freundin, die ihr Motto nach dem Coldplay-Lied “A Sky full of Stars” gewählt hat. Die Lesung und auch Predigt haben sich nach diesem Motto gerichtet. Was könnt ihr im besonderen tun? Ihr könnt euch den Lesungstext aussuchen, der kein Bibeltext sein muss!  Schöne Texte findet ihr in dem Büchlein vom Bistum Mainz “Ein Segen, die Liebe“. Ebenso könnt ihr die Fürbitten selbst formulieren oder moderne Varianten wählen (etwa aus dem Buch Die schönsten Fürbitten für die Hochzeit). Wir haben nach der Eucharistie einen für uns wichtigen Text zur Liebe vorlesen lassen; das ist kein fester “Programmpunkt” in der Trauung, aber wir haben unseren Pfarrer gefragt, ob das möglich ist. Feierlicher wird es auch, wenn eure Freunde und Verwandten die Texte vorlesen. Weiterer Lesetipp: Weil du mir wertvoll bist (Geschichten, Trausprüche und moderne Texte rund um die Liebe)

kirchliche Trauung Programm

5. Kirchenheft

Damit eure Gäste auch wissen, wie der Ablauf der Trauung sein wird, welche Lieder gesungen werden und wann was passiert, empfehle ich unbedingt ein Kirchenheft. Wer nciht selbst basteln will, kann sich schöne Exemplare anfertigen lassen oder für Sommerhochzeiten auch in der Form eines Fächers (wie oben von little pink butterfly) . Im Kirchenheft enthalten sein kann:

  • euer Trauspruch (falls vorhanden)
  • der Ablauf
  • die Liedtexte (falls zum Mitsingen)
  • die Namen eurer Vorleser
  • Dankesworte an eure Helfer

Weiterer Klicktipp: Vintage Kirchenheft von Schneider’s Family Business; oder Kirchenhefte von Carinkarten

6. Ehesemniar? Oh Schreck oder Segen?

Ja, richtig gehört, “Ehevorbereitungsseminar” heißt es in der katholischen Kirche. Es ist schon länger nicht mehr obligatorisch, aber tatsächlich kann ich nur jedem dazu raten. Denn es handelt sich eher um einen locker lässigen Wochenendworkshop, bei dem ihr mit ca. 8 anderen Brautpaaren zusammen seid und euch Gedanken darüber macht, wie ihr euch das Eheleben vorstellt. Es klingt erstmal komisch, aber keine Sorge: Ihr werdet nicht “missioniert”. Als der Mann und ich hingegangen sind, waren wir wirklich positiv überrascht und der Tag ist uns heute noch als einer der schönsten der ganzen Vorbereitungszeit in Erinnerung! Warum? Normalerweise geht es in der Vorbereitungszeit zur Hochzeit um die Farbe von Blumen, die Größe des Kleides, die Auswahl des Menüs oder der Papeterie. Was aber leider oft zu kurz kommt, sind die wichtigen Dinge: Wie soll unser Eheleben aussehen? Was wünschen wir uns? Wie würden wir unsere Kinder erziehen? In dem Workshop habt ihr die Gelegenheit mal als Paar über euch nachzudenken, auch worauf ihr euch am meisten freut, was ihr am anderen liebt. Sehr schöne Gedanken einfach. Wir haben z.B. auch eine herrlich emotionale Aufgabe bekommen, die ich euch allen nur ans Herz legen kann: Wir sollten unserem Partner einen Brief schreiben, was wir an ihm lieben und warum wir uns ineinander verliebt haben. Diesen Brief sollten wir dann gut verschließen und uns erst am Morgen der Hochzeit vorlesen. Wir haben es gleich nach dem Aufstehen gemacht und das war für mich einer der Gänsehautmomente der ganzen Hochzeit! Zudem besprecht ihr das Ehegelöbnis, also was ihr euch da eigentlich am Altar versprecht. Mein Tipp: Unbedingt die Zeit nehmen und mitmachen! Und ihr lernt interesannte und nette Brautpaare aus eurer Umgebung kennen!

kirchliche Trauung Kinder

Foto: Julia Löwe

7. Was mit Kindern?

Habt ihr viele Kinder bei eurer Hochzeit und habt Angst, dass sie den Gottesdienst aus Langeweile “verplärren”? Kein Problem. Wichtig ist: Viel singen und etwa auch Lieder, die alle kennen! Kinder lieben singen und waren beispielsweise bei unserer Hochzeit meist mucksmäuschenstill, sobald der Chor ansetzte. Ebenso schön, wenn eine der vorgelesenen Geschichten auch für Kinder interessant ist. Erlaubt außerdem Spielzeug in der Kirche. Und vielleicht könntet ihr ja die Eltern mit den kleinsten Kindern schon vorher darauf hinweisen, dass sie sich an den Rand der Bänke setzen können. Dann können sie doch schnell mal mit den Kleinen raushuschen. Und eine tolle Idee, die mir Claudia hier zusammen mit weiteren Tipps für eine Hochzeit mit Kids verraten hat: Vor der Kirche an einer Schnur kleine Kirchen-Survival-Packs aufhängen! Darin können sein: Seifenblasen, ein Auto, Malsachen und Süßigkeiten für die größeren Kinder. Für die Kleinen: ein Glas Apfelbrei mit Plastiklöffel (zur möglichen Bestechung während des Gottesdienstes).

8. Lieder

Bei den Liedern ist auch eurer eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt! Aber: Sprecht sie vorher mit eurem Pfarrer ab im Traugespräch. Auch wenn es oft heißt, dass Pfarrer sehr konservativ sein sollen, habe ich bislang eher die gegenteilige Erfahrung gemacht. Sprecht offen an, was euch das Lied bedeutet. In der Regel ist es kein problem auch ein modernes “Poplied” zu wählen. (Außer natürlich ihr wollt einen Death Metal Song, dann dürftet ihr Überzeugungsschwierigkeiten haben). Falls ihr einen Chor wählt, können euch die Sänger bei der Auswahl der Musikstücke behilflich sein. Achtet darauf, dass die Musikstücke zusammen gerechnet nicht alle ewig lang dauern, nicht dass eure Trauung deshalb unnötig lang-weilig wird. Ihr könnt auch ruhig “moderne” Lieder wählen; es müssen nciht immer Lieder aus dem Kirchenbuch sein. Meine Favoriten für 2015 mit Gänsehautmoment:

  • John Legend – All of me;
  • Adele – Make you feel my love;
  • Gregor Meyle – Du bist das Licht;
  • Coldplay – Fix You
  • Ludovico Einaudi – Dietro Casa

Mehr Inspirationen habe ich in dem Beitrag Die schönsten Lieder für die Trauung mit Spotify Playlist zusammengestellt!

Deko Kirchenbank

9. Dekoration der Kirchenbänke und  Blumenblüten streuen

Ein schönes Ambiente in der Kirche kann Wunder wirken! Allerdings sind Kirchenbänke oftmals leider nicht die hübschesten Einrichtungsgegenstände. Zudem könnten gewisse Richtlinien auf euch zukommen, die recht knifflig sind für eure Floristen: kein Klebestreifen an den Bänken, geschweige denn Nägel oder Haken, nichts darf Rückstände hinterlassen und auf dem Boden darf nichts abfärben. Sprecht vorher unbedingt mit dem Pfarrer oder Mesner darüber, was genau erlaubt ist und was nicht. Sprecht dies mit eurem Floristen ab, damit sie/er sich gleich eine passende Lösung überlegen kann. Das Gleiche gilt übrigens fürs Blütenstreuen der Blumenkinder! Nicht in jeder Kirche ist das möglich oder erlaubt, da etwa der Teppich sonst aufwendig gereinigt werden müsste. Fragt auch hier vorher nach, bevor ihr euch unnötig Zorn einhandelt…

10. Traukerze

Die Hochzeitskerze hat eine wunderschöne Symbolik; einmal entzündet soll sie euch immer an den Moment der Trauung erinnern. Und in Zeiten der Not, Ängste, Sorgen oder auch ehelicher Krisen könnt ihr sie daheim wieder anzünden, damit sie euch an das “Ja” erinnert. Moderne Kerzen findet ihr bei kerzilein, oder hier auf Dawanda.

Ganz viele liebe Grüße aus meiner kleinen Hochzeitsecke,

sig

Eure Lieblingsstücke

KategorienAllgemein
  1. Chris says:

    Danke für den informativen Beitrag!

    Wir werden nächsten Januar kirchlich heiraten und bis vor kurzem hatte ich keine Vorstellung, wie schwierig es sein würde, einen Pfarrer zu finden. Wir wussten ziemlich schnell, welche Kirche es sein sollte – der dortige Pfarrer traut aber grundsätzlich keine Auswärtigen – unsere Gemeindepfarrerin traut nicht auswärtig – und auch die Pfarrer im (weiteren) Bekanntenkreis standen nicht zur Verfügung. Gerettet hat uns schließlich die “Pfarrer”-Empfehlung unserer Locationvermieter. Es hat uns dann insgesamt sechs Wochen gekostet, einen Pfarrer zu finden – den wir jetzt dafür um so mehr schätzen! Das mit der notwendigen Genehmigung des Heimatpfarrers gilt übrigens nur bei katholischen Trauungen, bei evangelischen ist das nicht notwendig – man muss “nur” einen Pfarrer finden.

    1. TheLittleWeddingCorner says:

      Liebe Christ,

      oh ganz lieben Dank dir für deinen Kommentar. Ui, da muss sich wohl was geändert haben, oder vielleicht ist es auch von Bundesland zu Bundesland anders. Denn mein Mann ist evangelisch und er brauchte damals auch eine “Freistellung” der Heimatpfarrei. Aber vielen Dank für den Tipp! Liebe Grüße, Barbara

  2. Fabiola Hack says:

    Ein kleiner Hinweis einer Insiderin zur Liederauswahl im Gottesdienst:
    Die Regularien sind in jedem Kirchenkreis, und teils auch in jeder Gemeinde unterschiedlich. In meiner Heimatgemeinde (und vielen anderen auch) gibt es bspw. einen Beschluss des Presbyteriums, dass keine Lieder gesungen werden dürfen, die keinen geistlichen Inhalt haben. Wie du bereits richtig gesagt hast, geht es in der Kirche darum, sich vor Gott das Eheversprechen zu geben – Platz für das persönliche Liebeslied ist auf der Feier danach genug 🙂
    Häufig bekommen in solchen Fällen leider die Pfarrer den Frust oder Unmut des Brautpaars zu spüren, weil sie eben die “Kontaktperson” sind – Letztendlich sollte aber jedem klar sein, dass eine Einzelperson sich nicht über den Beschluss eines ganzes Presbyteriums, oder gar einer Kreissynode hinwegsetzen kann…

    Daher mein Tipp an alle Brautpaare: Versteift euch nicht zu sehr auf den Vortrag oder das Singen eures Lieblingsliedes während des Gottesdienstes – auf der Feier finden sich sicher noch Gelegenheiten dafür (bspw. als Eröffnungstanz) 🙂

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