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5 Feministische Alternativen zu patriarchalen Hochzeitstraditionen

Alex Gukalov / Shutterstock.com

Bild: Alex Gukalov / Shutterstock.com

Heiraten und Feminismus – ist das überhaupt im 21. Jahrhundert miteinander vereinbar? Viele Hochzeitstraditionen beruhen auf alten patriarchalen Bräuchen. Deshalb habe ich euch hier fünf Ideen zusammengestellt, wie ihr feministische Alternativen zu patriarchalen Hochzeitsbräuchen umsetzen könntet.

1. Das Kleid

Die sogenannte »Weiße Hochzeit« – die gängigste Hochzeitsform, die wir heute noch feiern – entstand im 19. Jahrhundert in Großbritannien. Der Begriff bezieht sich dabei auf die weiße Farbe des Hochzeitskleids, die symbolisch auch für Reinheit und Unschuld stehen soll. Obwohl schon die schottische Königin Mary, Queen of Scots im Jahre 1559 Weiß heiratete, avancierte das weiße Brautkleid erst mit Queen Victoria zum absoluten Fashion Trend. 1840 trug sie zu ihrer Hochzeit mit Prince Albert ein weißes Kleid aus Seidensatin und filigraner Klöppelspitze. Als Berichte von ihrer »White Wedding« den europäischen Kontinent wie die USA erreichten, folgten viele adelige Bräute begeistert ihrem Vorbild. Weil es im 19. Jahrhundert noch nicht die nötigen (chemischen) Reinigungsmöglichkeiten gab, gewannen weiße Kleider große Bedeutung für den sogenannten »demonstrativen Konsum« Im Sinne des Soziologen Thorstein Veblen. Die Farbe Weiß symbolisierte Wohlstand und sozialen Status; außerdem trug es christliche Konnotationen von Reinheit und Unschuld. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war ein weißes Kleid für alle adeligen Bräute in Europa und den USA der letzte Schrei. Bräute aus den Mittelschichten konnten sich den Trend erst nach dem zweiten Weltkrieg leisten. Der Wunsch wurde durch Hollywood Filme gefördert, die in den fünfziger Jahren das Bild der weißen Hochzeit idealisierten. Die romantischen Liebeskomödien machten sie zur normativen Heiratsform. Wie kulturraumspezifisch die Farbe des Brautkleides ist, zeigt eine Tradition aus China: Dort trägt die Braut klassischerweise Rot, weil es mit Glück und Wohlstand assoziiert wird.

Braut Jumpsuit, Hochzeit Hosenanzug weiß Braut

Alternative? Trage ein Outfit, das ausdrückt, wer du bist. Gerne kannst du etwa in einem bunten Kleid heiraten, oder auch mit bunten Accessoires kombinieren. Es muss auch gar kein Kleid sein: So kannst du etwa einen schicken Hosenanzug, modernen Jumpsuit, Jeans mit Shirt oder einen Zweiteiler aus Crop Top und Rock wählen. Auch Turnschuhe, Boots oder deine Lieblingsschuhe können toll zu deinem Hochzeitsoutfit kombiniert werden. Jeansjacken, Lederjacken oder Bikerjacken sind auch eine tolle Option, wenn du dein Hochzeitsoutfit mehr nach deinem Charakter wählen möchtest. Generell sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt.

2. Zum Altar gehen – ohne Vater

Dass die Frau vom Vater zum Altar geführt wird, reicht auf patriarchale Traditionen aus dem Mittelalter und der frühen Renaissance zurück, die die Frau als ökonomische Ware auf einem Heiratsmarkt begreifen. Die Übergabe des Vaters an den Bräutigam vor dem Traualtar signalisierte ganz klar, dass nun die Frau vom Besitztum des Vaters in das Besitztums des Ehemannes übergeben wird, der nun (finanziell, rechtlich etc.) über sie bestimme. Es gibt daher jede Menge Varianten und Ideen, wie ihr dieses klassische Modell nicht fortführen müsst.

Alternativen?

  1. Geh alleine
  2. Geh gemeinsam mit Bräutigam
  3. Gehe mit Mutter und Vater gemeinsam
  4. Gehe mit Schwester, Mama, Oma, Tante oder Freundin zum Altar
  5. Gehe den halben Weg mit Vater und dann die letzte Hälfte alleine

3. Die Trauung und das Eheversprechen

Macht euer Eheversprechen zu eurem eigenen! Viele der traditionellen Eheversprechen sind immer noch voll vom Verständnis patriarchaler Geschlechterrollen. Wenn ihr beim Jawort gerne Gleichberrechtigung herausstreichen möchtet jenseits von traditionellen Klischees, dann feiert eine freie Trauung. Eure Trauredner:in kann die Traurede auf eure Wünsche ideal anpassen und ihr könnt ein Eveherversprechen eigenhändig formulieren, das euch frei von Konventionen erlaubt “Ja” zu sagen.

4. Der Nachname

Es gibt seit 1991 vielfältige Möglichkeiten, wie ihr euch nach der Hochzeit nennt. Die patriarchale Tradition, dass die Frau den Namen des Mannes annehmen muss, ist längst nicht mehr zeitgemäß.

Generell gibt es fünf verschiedene Möglichkeiten und Alternativen:

  • Die beiden Partner behalten ihre Namen.
  • Die Ehefrau nimmt einen Doppelnamen an.
  • Der Ehemann nimmt einen Doppelnamen an.
  • Die Ehefrau nimmt den Namen des Mannes an.
  • Der Ehemann nimmt den Namen der Frau an.

Die Namensänderung wird gesetzlich bei der Trauung am Standesamt festgelegt, wobei bereits bei der Anmeldung zu Eheschließung angegeben werden muss, wie sich das Ehepaar später nennen möchte. Mehr Infos dazu findet ihr in meine Beitrag “Nachnamen nach der Hochzeit ändern?

5. Der Brautstraußwurf

Auch wenn es ein schöner Brauch sein kann, kann der Brautstraußwurf grundlegende sexistische Untertöne haben oder demütigend wirken, etwa wenn vorausgesetzt wird, dass sich die Single Frauen um nichts mehr reißen würden als als nächstes zu heiraten bzw. den Brautstrauß zu “ergattern”. Es gibt gute Gründe diese Tradition vom Ablaufplan zu streichen oder zu ändern: Nicht alle Single Ladies möchten vielleicht jemals heiraten oder sie werden daran an traurige Umstände erinnert, die sie kränken.

Alternativen? Ihr könnt die Tradition natürlich ganz streichen oder ihr könnt sie vielleicht mit einem feministischen, ironischen Lied unterlegt durchführen oder mal die Männer nach dem Brautstrauß laufen lassen. Etwa mit dem Song “You don’t own me”.

Ganz viele liebe Grüße aus meiner kleinen Hochzeitsecke,

eure Barbara

Fotos: Alex Gukalov / Shutterstock.com, Vivid Symphony, Stories of Us
KategorienAllgemein

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