W

Was ist Liebe? Tipps für die Ehe und die freie Trauung mit Friederike Delong

2014-07-22_0011Was ist die Liebe? Und was braucht es, dass eine Ehe auch nach der rauschenden Hochzeitsfeier gelingen kann? Zusammen? Und wie diese Liebe bei der Trauung ausdrücken? Diese Fragen beschäftigen mich schon seit der Zeit vor meiner eigenen Hochzeit, und um ein paar praktische Tipps sowie buchstäblich liebe-volle Ideen gerade auch für die Trauzeremonie zu bekommen, habe ich mich für euch umgesehen und bin schnell auf Friederike Delong gestoßen. Sie ist freie Traurednerin und vermählt mit Leidenschaft Brautpaare, so wie sie sind. Friederike legt dabei Wert auf die Persönlichkeit des Paares: Sie lernt ihre Wünsche, ihre Geschichte und Eigenschaften kennen und überlegt sich dann, was die Trauung individuell machen könnte. Sie hat mir ein paar Einblicke in ihre Arbeit gewährt – und ich kann nur schon gleich soviel verraten: Als ich sie für den Blog interviewt habe, hat sie mich komplett mitgerissen, begeistert und ich selbst habe ihre unbändige Freude für ihre Brautpaare gespürt. Ich habe mich gestern – mit passender Musik im Ohr – richtiggehend zu Friederikes Trauungen weggeträumt  – weil ihre Geschichten so berührend sind. Da werden während der Zeremonie auch mal Gewürze gemischt, mit Chemikalien experimentiert oder gar ein Liebeslied geschrieben – um Liebe auszudrücken. Einzigartig. Mit ganz viel Herz, Kreativität und Lebenslust. Und genau deswegen, dachte ich mir, hat sie für uns bestimmt auch bewegende Antworten und zahlreiche Erfahrungen, wenn es um die Frage ‘Was ist Liebe?’ geht. Aber erstmal der Reihe nach……

Friederike Delong Traurednerin

Liebe Friederike, erstmal herzlich Willkommen in meiner kleinen Hochzeitsecke! Du bist ja freie Traurednerin und vermählst Brautpaare. Erzähl doch bitte meinen Lesern ein bißchen  etwas über dich und was dich an diesem Beruf am meisten reizt?

Liebe Barbara, es sind die Persönlichkeiten, die mich reizen. Ich finde es einfach wundervoll, so viele tolle verliebte Menschen kennenlernen zu dürfen, ihre Persönlichkeiten, ihre Geschichte und ihre Liebe zu ergründen und diese dann in eine Zeremonie zu verpacken, die die Brautpaare einfach genau so feiert, wie sie eben sind. Eben weg von Konventionen und „des ham mir schon immer so gmacht“. Denn jedes Brautpaar ist verschieden und auf die eigene Art und Weise wunderbar. Mir macht es Spaß, dieses Wunderbare herauszukitzeln und dann die Trauung zu schreiben, so wie sie zu eben diesem Wunderbaren passt.

Und nicht zuletzt ist es einfach toll: Bei der Hochzeit selbst sitzen dort zwei Menschen, die ich bis dahin ziemlich gut kenne, schauen mich aufgeregt und vor Glück über das ganze Gesicht strahlend an und können es kaum erwarten „ja“ zueinander sagen zu dürfen. Und noch dazu sitzen auf der anderen Seite mehr oder weniger viele Gäste (meine kleinste Trauung war ganz intim mit nur elf Gästen, bei meiner größten Trauung waren 240 Augenpaare auf das Brautpaar und mich gerichtet) und sie alle sind glücklich, dass ich da bin und diese beiden wundervollen Menschen verheirate. Ich mache also einen Haufen Menschen glücklich. Und das ist wirklich toll!

Ines Njers Hochzeit

Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe selbst letztes Jahr im August geheiratet. Und ich gestehe: Ich war Brautzilla. Ich habe alles gelesen, angeschaut, durchforstet. Und so lernte ich 30 Bräute kennen, die ebenfalls letztes Jahr geheiratet haben. Eine von ihnen sagte irgendwann Ende 2012 „Ich finde keinen freien Redner, der kein Theologe ist“. Und da ich in meinem eigentlich Beruf seit Jahren Persönlichkeiten erfasse und kommuniziere, Konzepte und Texte schreibe und diverse Veranstaltungen moderiert habe, sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn: „Ach, eine freie Trauung, kein Problem, das mach ich dir schon!“. Und schon war sie da, die Berufung. Noch weitere zwei dieser Bräute die mich kannten, sagten „ja“ zu einer Zeremonie mit mir, ich schrieb und schrieb, eins kam zum Anderen und mittlerweile habe ich bereits fast 30 Brautpaare in einer Trauung feiern dürfen und mit den bisher gebuchten Trauungen mache ich dann bereits die 50 voll.

2014-07-22_0005

Was ist dir bei deinen Trauungen wichtig?

Dabei ist mir vor allem wichtig, keine Massenware zu produzieren. Ich beginne bei und mit jedem Brautpaar von Null, schaue mir in einem Vorgespräch ganz genau an, wer und wie die Beiden so sind, mache gemeinsame Sache mit den Trauzeugen und schreibe dann eine ganz persönliche Trauung, nur für die Beiden. Schema F gibt es bei mir nicht. Klar, kann auch ich das Rad nicht immer neu erfinden, aber ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich bereits ein paar Dinge mit Brautpaaren in Trauungen gemacht habe, die es vorher noch nicht gab. Da wurden schon Sandwiches gebaut, Bäume gepflanzt, Gewürzmischungen kreiert, Busse gebaut, Podiumsdiskussionen geführt, Karikaturen gezeichnet, Lehmplatten gepresst, Schnee gemacht, Chemikalien ineinandergekippt und Liebeslieder geschrieben in Trauungen. Meiner Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt und ich habe glücklicherweise tolle Brautpaare, die genau das schätzen. Ich versuche, mir für jedes Paar etwas Neues auszudenken und dabei die ganze Bandbreite der Gefühle einzubauen: von romantischen Gedichten, über ernste Passagen, zu Tränen rührenden Geschichten, aufregenden oder einfach nur schönen Ritualen bis hin zu schallendem Lachen, weil die Gäste die Marotten des Brautpaares wiedererkennen. Ich finde, eine Hochzeit ist ein freudiges Ereignis und das darf man auch ruhig in der Trauung merken! Mit allem drum und dran!

2014-07-22_0020

Gerade weil du schon so viele Brautpaare begleitet hast, würde mich eine Sache ganz besonders interessieren: Was ist Liebe bzw. wie würdest du Liebe definieren?

Ein großes, großes Thema. Ich habe schon diverse Definitionen und Erklärungsversuche der Liebe gelesen, gehört, gefunden und in Trauungen zitiert. Von Schriftstellern, über Philosophen, Musikern und Chemikern war da schon Alles dabei. Was mir aber am meisten Freude bereitet sind die Antworten, die meine Brautpaare mir geben auf die Frage was die Liebe für sie ist.

Da zeigt sich die Liebe als Kleinigkeit im Alltag, wie frisch gebackener Kuchen oder das gemeinsame Anhören der drei Fragezeichen zum Einschlafen, wie das abendliche Zu-Bett-Bringen, obwohl der Andere danach wieder aufsteht oder das Quatsch machen können bis man mit einem Lachanfall im Flur auf dem Boden liegt. Gemeinsam. Aber auch das gegenseitige Zuhören, für einander da sein, Sicherheit und zu Hause geben sind Dinge, die ich sehr oft höre auf diese Frage. Für meine Brautpaare – und das kann ich für mich persönlich nur noch unterstreichen – ist es wichtig, dass die Menschen, die uns lieben uns so nehmen wie wir sind. Mit allen Macken, Unwägbarkeiten und Flausen im Kopf. Und uns auch so sein lassen.

Liebe ist…

… ohne Geheimnisse, stets ehrlich und aufrichtig. ,Auch dann, wenn man sich Dinge sagt, die unangenehm sind und für die man sich schämt. .

… sich nicht verstellen zu müssen!

… sich immer treu zu bleiben. Selbst und einander.

….einfach mal zuzuhören und nicht zu versuchen immer gleich Probleme zu lösen.

…sich nicht gegenseitig zu schonen

2014-07-22_0006

Was gefährdet die Liebe deiner Meinung nach und was braucht es, dass eine Ehe gut funktioniert?

Hier geht es mir wie bei der Frage, was Liebe überhaupt ist: Ich könnte ganze Romane verfassen. Denn wie die Menschen und die Liebe die sie empfinden immer anders ist, so sind auch die Gefahren für die Liebe bei jedem Paar völlig verschieden.

Drei Dinge aber gibt es, die in meinen Augen besonders wichtig sind, damit nichts wirklich die Liebe gefährden kann: Zusammengehörigkeit, Freiraum und Kommunikation. Dass man zueinander gehört, sich miteinander wohl fühlt und den anderen Menschen nicht mehr missen möchte, das unterstreicht man ja bereits mit der Hochzeit. Man sagt ja zueinander. Ja zum füreinander da sein, füreinander einstehen.

2014-07-22_0004
  1. Zusammen gehören. Ich finde, das ist ein tolles Gefühl. Um es zu behalten muss man aus meiner Sicht auch weiterhin Zeit miteinander verbringen, so profan das klingt. Sich kleine Momente in dieser Zusammengehörigkeit nur zu zweit gönnen. Auch wenn die Vorstellung einer Beziehung und einer Familie vielleicht irgendwann Kinder mit sich bringt, Lebenssituationen sich ändern und manchmal alles Kopf steht, sollte man sich diese kleinen Momente der Liebe bewahren und Dinge tun, die man zusammen tun mag und die ein Zusammengehören unterstreichen. Ganz egal ob das heißt, vielleicht einfach nur gemeinsam einkaufen zu gehen, zu kuscheln oder gemeinsam exzessiv Sport zu treiben.
  2. Das Zweite, was ich für besonders wichtig halte ist es, sich Freiräume zu lassen. Sei es für ein Hobby, Zeit allein oder mit Freunden, oder auch einen Flirt mit einer anderen Person (um dann festzustellen, dass der eigene Partner nach wie vor sowieso der Tollste ist). Denn das völlige Fehlen von Freiheiten kann dazu führen, dass man sich eingeengt fühlt, sich vielleicht verbiegen oder sich selbst verleugnen muss. Und das wäre auf Dauer schlicht dazu verdammt, schief zu gehen. Ein bisschen Freiheit muss schon sein.
  3. Und als dritte Grundfeste sehe ich die Kommunikation. Die Nonverbale aber ganz sicher auch die Verbale. Denn wir Alle sind nun mal völlig verschieden und können uns nur vor den Kopf gucken. Auch wenn zwei Partner sich liebe und Paare oft das Gefühl haben, sie würden wahnsinnig oft das gleiche fühlen, denken oder sagen. Und ein Tipp an die Damen: Ich weiß, es ist schwer, aber die meisten Männer verstehen einfach keine Subtitel. Lasst mal alles „zwischen den Zeilen“ weg und sagt einfach klar, was Sache ist. Das tut unheimlich gut und macht vieles viel unkomplizierter!
2014-07-22_0021

Warum eigentlich heutzutage noch heiraten?

Es gibt zig rationale Gründe: Steuern, Erbe, Vertretung im Krankheitsfall, das doch vereinfachte Gründen einer Familie… aber unabhängig aller Zeiten: Das Heiraten ist, für mich, zueinander gehören. Und wie ich eben schon sagte: Das ist ein tolles Gefühl!

2014-07-22_0009

Und zum Schluss, passend zum Motto der Liebe noch eine persönliche Frage: Könntest du mir 3 Dinge nennen, die du liebst?

  1. Meinen Mann. Denn wir denken, fühlen und sagen oft das Gleiche, er ist mein Zuhause, birgt mir den sichersten Platz auf der Welt, unterstützt mich, wo er kann und ist noch dazu der Mensch, der mich nimmt so wie ich bin und mich so sein lässt, meine Macken erträgt und zum Teil sogar toll findet und der es immer schafft, mich zum Lachen, Weinen und Freudestrahlen zu bringen, je nachdem, was gerade gefragt ist.
  2. Nuckel, einen kleinen Stoffelefanten, den zu meinem 5. Geburtstag bekam.
  3. wechselt im Grunde immer wieder, hat aber immer die gleiche Quintessenz: Ich liebe es, meine Mitmenschen glücklich zu machen. Und das geht durch die verschiedensten Dinge. Mal sind es vielleicht Backformen, die es mir ermöglichen tolle Torten zu zaubern, mal sind es vielleicht meine manchmal durchaus abgefahrenen Ideen, mal sind es Brettspiele, die dafür sorgen, dass ich das Haus mit Freunden voll habe… Im Moment ist es meine Kamera. Denn ich bin wahrscheinlich nicht die beste Fotografin der Welt, aber meine Bilder machen diverse Menschen glücklich. Und das ist wie gesagt toll 🙂
2014-07-22_0015

Liebe Friederike, herzlichen Dank, dass du all meine Fragen so schön beantwortet hast und dass du zu Gast in meiner kleinen Hochzeitsecke warst! Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und vor allem, dass du noch ganz viele Paare glücklich machen kannst!

Und wer sich jetzt nach diesen Eindrücken gern von Friederike trauen lassen möchte, klickt doch mal schnell zu ihrer Website hier rüber! Zudem könnt ihr sie auf Facebook hier finden.

Ganz viele liebe Grüße aus meiner kleinen Hochzeitsecke,

sig

Fotos: 1 (Friederike Delong), 2 (privat), 3 (Ines Njers), 4 (Ines Njers), 5 (zd-fotografie.de), 6 (privat), 7 (Ines Njers), 8 (zd-fotografie.de), 9 (privat), 10 (Friederike Delong)

KategorienAllgemein
  1. Nadja says:

    Hallo. Ich heirate im Mai standesamtlich und würde gern die Sache mit dem Familiengewürz einbauen. Aber leider finde ich im Netz dazu keine Angaben.
    Kannst du mir weiterhelfen? Wir sind zu 4rt. Also Mann, Frau, Junge und Mädchen

    Vielen Dank schon mal im Voraus?

    1. TheLittleWeddingCorner says:

      Liebe Nadja,

      vielen Dank für deine Frage. Binb mir nur nicht sicher, ob ich dich genau verstehe. Was meinst du genau? Wofür brauchst du noch Angaben? Für die Zeremonie? Ihr mischt eben die Gewürze, einen passenden Text müsste dann euer freier Trauredner – auf eure Situation zugeschnitten – schreiben. Herzlich, Barbara

  2. Pingback:Meine 5 schlimmsten Fehler bei der Hochzeitsplanung | Hochzeitsblog The Little Wedding Corner

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *