Jutebeutel The Future Mrs
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Nachname nach der Hochzeit ändern? Die Tradition der Namensänderung

(Bild: The Future Mrs via weddingchicks Shop)

Heute stelle ich die Gretchenfrage für wahrscheinlich viele Brautpaare: Wie sieht es denn mit der Namensänderung nach der Hochzeit aus? Und ich verrate gleich: Ich habe meinen Namen einfach behalten, mein Mann ebenso, und wir fühlen uns damit absolut pudelwohl. Aber was hab ich doch im Vorfeld für Kommentare deswegen bekommen: “Willst du das deinem Zukünftigen wirklich antun? Fühlt er sich dann nicht entmännlicht?” “Das kannst du doch nicht machen!” oder auch “Also es gibt einfach ein paar Traditionen, an die man (ja, nicht frau) sich halten sollte!”. Da saßen der Mann und ich angesichts solch einer Einmischung schon schockiert da, zumal es ja unsere persönliche Entscheidung ist und nicht die unserer Freunde. Ich hab dann einmal nicht auf dem Schlauch gestanden und folgendes gefragt: “Ja wirklich? Muss man sich an Traditionen halten? Und woher kommt die Tradition überhaupt, und weißt du überhaupt, was die Tradition bedeutet? Wird Männlichkeit also über den Namen definiert? Und wenn ich mich einfach mit meinem Namen am Wohlsten fühle?” Interessanterweise wussten unsere Gegenüber die Antworten dann nie und blieben stumm. Darum: Ich finde man und frau muss sich an gar keine Traditionen halten, weder bei der Hochzeitsfeier noch Danach und jeder sollte für sich entscheiden. Am wichtigsten ist, dass ihr euch wohl fühlt, egal, für was ihr euch entscheidet! Denn letztlich müsst ihr mit dem Namen leben, nicht die Freunde. Aber informiert euch und trefft die Entscheidung nicht aus dem Grund heraus, “weil man es halt so macht” oder euch Bekannte dazu reinreden.

Welche Möglichkeiten zur Namenänderung bei der Hochzeit gibt es?

Erst seit 1991 gibt es in Deutschland die Möglichkeit für Frauen, den Namen des Mannes nicht anzunehmen (siehe Artikel in der Süddeutschen Zeitung). Seit dem 01.04.1994 ist es den Ehegatten freigestellt, ob sie einen gemeinsamen Familiennamen bestimmen oder nicht. Generell gibt es fünf verschiedene Modelle:

  • Die beiden Partner behalten ihre Namen.
  • Die Ehefrau nimmt einen Doppelnamen an.
  • Der Ehemann nimmt einen Doppelnamen an.
  • Die Ehefrau nimmt den Namen des Mannes an.
  • Der Ehemann nimmt den Namen der Frau an.

Die Namensänderung wird gesetzlich bei der Trauung am Standesamt festgelegt, wobei bereits bei der Anmeldung zu Eheschließung angegeben werden muss, wie sich das Ehepaar später nennen möchte. Also schonmal fleißig üben für alle Namensänderer, dass dann beim Unterschreiben im Standesamt nur ja kein Malheur passiert.

Die Möglichkeiten für die Namenswahl sind also vielfältig. Interessanterweise hat eine Umfrage der Zeitschrift Emma bei Standesämtern der Bundesrepublik im Jahre 2010 jedoch ergeben, dass dennoch rund 80% aller Frauen in Deutschland – auch in liberalen Großstädten wie Köln – weiterhin den Namen ihres Mannes annehmen – allen voran prominentes Beispiel aus der Politik: die ehemalige Familienministerin Christina Köhler. Bei meinen Suchen im Internet, etwa auf Etsy, habe ich auch nur Cake Topper, T-Shirts und andere Hochzeits-Memorabilia gefunden, auf denen implizit und auch explizit davon ausgegangen wird, dass die Frau den Namen des Mannes annimmt. Dekoartikel wie ein Kissen mit der Aufschrift ‘The Future Mrs (Name des Mannes)’ oder Jutebeutel mit solch einer Aufschrift (siehe Bild oben via weddingchicks shop) vermarkten dieses Namensmodell also auch auf kommerzielle Weise und gar spielerisch.

Woher kommt die Tradition?

Die Annahme des Namens des Mannes, wie sie früher eben ‘Tradition’ war, greift auf ein patriarchales Denkmodell aus dem Mittelalter zurück (die “Muntehe”), in dem die Frau vom (gar leider wörtlichen) Besitz des Vaters in den Besitz des Mannes übergeht – ihre Identität wird also über die Beziehung zu einem Mann definiert. Im Deutschen weist auch schon der Begriff ‘Mädchenname’ auf die Vorstellung hin, dass erst durch die Heirat ein Mädchen zur Frau wird, was mit Selbstbestimmung dann eher weniger zu tun hat. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Das Gefühl von Zusammengehörigkeit als Ehepaar entspringt nicht wegen eines gemeinsamen Namens. Viele Frauen fühlen sich unwohl dabei, ihren Namen abzulegen und dadurch ihre bisherige Vergangenheit aufzugeben. Scheinbar ist es aber leider noch zu sehr in der Gesellschaft verwurzelt, dass Männer als das ‘Familienoberhaupt’ gelten und daran sich die Namenswahl richtet. Aber denkt daran, Konventionen sind kulturraumspezifisch: In vielen Ländern wie etwa in Portugal oder Vietnam, ist es etwa üblich, dass beide Ehepartner einfach ihre Namen behalten!

Fazit?

Informiert euch über alle Möglichkeiten und denkt daran, dass auch alles möglich ist. Letzten Endes müsst ihr euch wohl fühlen, denn das ist immer das Wichtigste. Wenn ihr einen Doppelname am schönsten findet, nehmt ihn. Wenn ihr euren Namen behalten wollte, behaltet ihn. Hört auch auf euer Bauchgefühl. Wenn es sich nicht richtig anfühlt, ist es nicht richtig. Denn ihr müsst ja dann mit dem Namen leben. Generell gilt auch: Habt Mut! Ich empfehle mit dem Partner darüber zu sprechen; vielleicht habt ihr ja Bedenken oder er hat erstmal Unverständnis, wenn ihr aber alles genau erklärt, dürfte das doch kein Problem sein. Ich schlage an dieser Stelle einen neuen Trend aus Großbritannien vor, wo nun gewisse Mischnamen auf der Überholspur sind: Heiratet etwa eine Ms Clifton ihren Mr Mole werden daraus dann The Moltons!  Wirklich wahr und hier in einem Spiegel Artikel nachzulesen. Ach wie schön kreativ ist das denn….

Für alle die es interessiert, zum weiterlesen habe ich noch einen Link zu kleinerdrei.

Ganz liebe Grüße aus meiner Hochzeitsecke,

eure Barbara

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